Anschaffungskosten, laufende Betriebskosten & Co.

Welche Refinanzierungen erhalte ich in Zusammenhang mit der Telematikinfratsruktur?

 

Die Telematikinfrastruktur (TI) ist das Fundament für ein digitales Gesundheitswesen. Geregelt im Sozialgesetzbuch V und hier vorrangig im § 306 dient die „Datenautobahn des Gesundheitswesens“ – getrennt vom Internet – dem schnellen und sicheren Datenaustausch zwischen allen Akteuren im Gesundheitswesen. Neben zum Beispiel Ärzten, Zahnärzten und Apotheken zählen zu diesen auch die Krankenkassen sowie die sonstigen Leistungserbringer.

 

Die Anbindung von Ärzten und Zahnärzten an die TI ist seit 2019 bereits gesetzlich verpflichtend und auch weitere Anwendungen sind bzw. werden zeitnah vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Um an der TI teilhaben und die verschiedenen Anwendungen nutzen zu können, benötigen die Akteure jedoch mehrere, jeweils von der gematik zugelassene Komponenten und Dienste. Neben der TI-Grundausstattung (Konnektor, mindestens ein Kartenterminal, VPN-Zugangsdienst, Praxisausweis (SMC-B) und Software-Update des Praxisverwaltungssystems (PVS)) zählen hierzu zum Beispiel die Updates zum E-Health-Konnektor bzw. ePA- und PTV4+-Konnektor, der Kommunikationsdienst KIM oder der elektronische Heilberufsausweis (eHBA).

 

Die verschiedenen „Bausteine“ ermöglichen im Zusammenspiel vielfältige TI-Anwendungen, wie das Notfalldatenmanagement (NFDM), den elektronischen Medikationsplan (eMP) oder den Kommunikationsdienst KIM. Neu sind zudem Anwendungen, wie die elektronische Patientenakte (ePA), das elektronische Rezept (E-Rezept) oder die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU).

 

Die Anbindung an die TI und der laufende Betrieb verursachen zum Teil immense Kosten. Aber: Gute Nachrichten für alle an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten! Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband (Spitzenverband Bund der Krankenkassen) haben sich auf eine Vereinbarung zur Finanzierung der TI geeinigt.

 

Laut Gesetz sind die Krankenkassen verpflichtet, die Kosten für die Ausstattung sowie den laufenden Betrieb zu übernehmen. So erhält jede Praxis eine Erstausstattungspauschale in Höhe von 1.549 Euro, die die Kosten für den Konnektor und ein Kartenterminal abdeckt. Größere Praxen bekommen zudem zusätzliche Kartenterminals. Vertragsarztpraxen mit weniger als vier Ärzten (kumuliertes Vollzeitäquivalent) erhalten ein stationäres Kartenterminal inklusive gSMC-KT, Praxen mit weniger als sieben Ärzten zwei und mit sieben oder mehr Ärzten drei. Darüber hinaus steht allen Ärzten und Zahnärzten eine Startpauschale in einmaliger Höhe von 900 Euro zu, welche die Kosten für das PVS-Software-Update, die Installation der Technik sowie den Zusatzaufwand der Praxen in der Startphase abdeckt. Ferner sind Pauschalen für die Wartung und alle notwendigen Konnektor-Updates sowie für den VPN-Zugangsdienst vorgesehen. Und auch für den Praxisausweis (SMC-B) und den elektronischen Heilberufeausweis (eHBA) gibt es Refinanzierungen in Höhe von 23,25 Euro (ein Ausweis pro Praxis, ein weiterer Ausweis für jedes mobile Kartenterminal, auf das die Praxis Anspruch hat) bzw. 11,63 Euro pro Quartal. Ebenfalls sind verschiedene Betriebskostenpauschalen festgelegt, die quartalsweise ausgezahlt werden.

 

Tipp: Für jede genehmigte Betriebs- und Nebenbetriebsstätte werden die Pauschalen für die nötigen Komponenten finanziert. Ausgelagerte Praxisstätten werden mit einem mobilen Kartenterminal ausgestattet. Ärzte und Ärztinnen, die mindestens drei Hausbesuche pro Quartal oder Kooperationsverträge zur externen Betreuung von Patienten in anderen Praxen oder Pflegeheimen nachweisen können, haben ebenfalls Anspruch auf die Erstattung eines mobilen Kartenterminals. Die Pauschale hierfür beträgt 350 Euro.

 

Auch den neuesten Entwicklungen in Zusammenhang mit der TI wird Rechnung getragen. Praxen erhalten zum Beispiel einmalig 100 Euro für notwendige Umstellungen, um künftig eArztbriefe zu verschicken und den Übertragungsdienst KIM zu nutzen. Zudem können sie eine weitere Betriebskostenpauschale in Höhe von 23,40 Euro geltend machen. Für das Update auf den ePA-Konnektor erhalten Praxen eine Pauschale von einmalig 400 Euro sowie on top 150 Euro für die nötige Anpassung des PVSs. Die Erstattung der Betriebskosten für die ePA beläuft sich auf 4,50 Euro je Quartal. Auch für das E-Rezept ist ein Update des PVS notwendig und wird mit einmalig 120 Euro erstattet. Für die Betriebskosten für das E-Rezept gibt es einen Euro pro Quartal.

 

Die Auszahlung aller Refinanzierungen erfolgt durch die Kassenärztlichen Vereinigungen.

 

Auch für Apotheken erfolgt die Anbindung an die TI kostenneutral, d.h. sie erhalten die entsprechenden Refinanzierungen. Hier erfolgt die Abrechnung über den Nacht- und Notdienstfonds. 3.197 Euro erhalten Apotheken für das sogenannte „Erstausstattungsbundle“. Dieses umfasst einen eHealth-Konnektor inklusive der dazugehörigen Smartcard (gSMC-K), zwei stationäre eHealth-Kartenterminals sowie zwei dazugehörige Gerätekarten für das Terminal (gSMC-KT). Für jedes zusätzlich notwendige Kartenlesegerät werden weitere 500 Euro erstattet. Ferner wird eine Aufwandspauschale von 1.280 Euro ausgezahlt. Auch die Kosten für den Institutionsausweis (SMC-B) und den Heilberufsausweis (eHBA) werden einmalig für fünf Jahre übernommen. Für die SMC-B sind 378,15 Euro, für den eHBA 449 Euro veranschlagt. Das in Zusammenhang mit der Einführung von ePA und E-Rezept nötige Konnektor-Update wird einmalig mit einer Pauschale von 562 Euro refinanziert. Die laufende Betriebskostenpauschale erhöht sich hierdurch um 4,65 Euro.

 

Alle Akteure erhalten somit umfassende Refinanzierungen. Umgekehrt drohen jedoch finanzielle Sanktionen, sofern der Anschluss an die TI nicht rechtzeitig bewerkstelligtmist bzw. sich für gesetzlich verpflichtete Anwendungen nicht innerhalb der vorgeschriebenen Fristen gerüstet wird.

 

Hinweis: Entwickelt sich der Markt anders als erwartet oder kommen neue TI-Anwendungen hinzu, haben beide Vertragspartner (KBV und GKV-Spitzenverband) die Möglichkeit, die Verhandlungen neu aufzunehmen und die TI-Finanzierungsvereinbarung anzupassen. 

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